Tarifvertrag bausteine erden

In den letzten vier Jahrzehnten haben sich die Tarifsysteme abgeschwächt. Der seit langem sinkende Rückgang der Gewerkschaftszugehörigkeit und die zunehmende Individualisierung der Beschäftigungsverhältnisse in Verbindung mit politischen Reformen, die die Dezentralisierung der Tarifverhandlungen fördern, haben die bestehenden Tarifverhandlungssysteme auf eine lange Probe gestellt. Da jedoch die traditionellen Institutionen der Arbeitsbeziehungen zunehmend unter Druck geraten, wird die Notwendigkeit von Mechanismen zur Überwindung von Konflikten und zur Erreichung eines Gleichgewichts zwischen den Interessen der Arbeitnehmer und der Arbeitgeber nicht nachlassen. Einzelverhandlungen sind keine realistische Alternative zu Tarifverhandlungen, da nur wenige Arbeitnehmer ihre Beschäftigungsbedingungen effektiv mit ihrem Arbeitgeber aushandeln können. In Ermangelung funktionierender Tarifverhandlungen stehen die Länder vielmehr vor der Wahl zwischen überhaupt keinen Verhandlungsmechanismen (was in Situationen, in denen einige Arbeitgeber über eine monopsony Macht verfügen) und staatlicher Regulierung (die es vielleicht nicht immer erlauben, den besten Kompromiss zwischen einer Vielfalt von Interessen zu erzielen) sein könnte. Die Lohnkoordinierung nimmt in den OECD-Ländern unterschiedliche Formen an. Tabelle 2.6 zeigt den Grad und die Art der Koordinierung zwischen den OECD-Ländern. Sie folgt Kenworthy (2001[78]) und Visser (2016[47]), indem sie zwischen der Art der Koordinierung (staatlich auferlegt, Musterverhandlungen usw.) und dem Grad der Koordination (ob allgegenwärtig und verbindlich oder nicht) unterscheidet. Die Koordinierung ist am stärksten, wenn sie auf strengen gesetzlichen Kontrollen beruht (dies wird als staatlich auferlegte Koordinierung bezeichnet, und sie erfolgt über Indexierungsregeln, verbindliche Mindestlöhne und/oder Regeln für maximale Uprate). Derzeit fällt nur Belgien in diese Kategorie: Die Löhne werden an die Erhöhung der Lebenshaltungskosten angepasst, aber durch eine “Lohnnorm” gedeckelt, die die (gewichtete) Lohnentwicklung in Frankreich, Deutschland und den Niederlanden zusätzlich zu einem zwischen den Sozialpartnern ausgehandelten gesetzlichen Mindestlohn berücksichtigt. Bis 2015 war Finnland das Land, das Belgien am nächsten stand, da zentrale Abkommen eine wichtige Rolle bei der Steuerung dessen spielten, was Abkommen auf niedrigerer Ebene aushandeln konnten (staatlich induzierte Koordinierung). In Frankreich schränkt der relativ hohe Mindestlohn auch den Handlungsspielraum der Sozialpartner stark ein und macht viele Lohnunterweise irrelevant (Fougére, Gautier und Roux, 2018[87]). In den nordischen Ländern sowie in Österreich, Deutschland und den Niederlanden erfolgt die Koordinierung in Form der so genannten Musterverhandlungen, bei denen ein Sektor die Ziele an erster Stelle festlegt (in der Regel das verarbeitende Gewerbe, das dem internationalen Handel ausgesetzt ist) und andere (oder zumindest einige von ihnen) folgen.

Musterverhandlungen finden auch in Japan statt, wo Tarifverträge nur auf Unternehmensebene ausgehandelt werden (weitere Einzelheiten siehe Kasten 2.5). Schließlich kann die Koordinierung auch in Form von inner- oder innergemeinschaftlichen Leitlinien erfolgen, wenn Spitzenorganisationen entweder Normen festlegen oder ein innerkorporales Ziel festlegen, das bei Verhandlungen auf niedrigeren Ebenen verfolgt werden sollte.

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